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Das Archiv der Zukunft
„Archives are fascinating places. Through their collections they enable us simultaneously to peek into the past and envision the future.“
Evelyne Buchheim u.a.
Wie bleiben audiovisuelle Medien zugänglich?
Audiovisuellen Medien wie Tonbänder, Audiokassetten, Videokassetten oder Filmrollen spielen für die literarische Produktion und Rezeption eine wichtige Rolle. Sie überliefern die Stimmen von Autor*innen, vermitteln die Atmosphäre von Lesungen und überliefern Recherche- und Dokumentationsmaterial zu literarischen Werken. Da Abspielgeräte und Trägermedien altern, müssen die Aufnahmen langfristig gesichert werden. Im Rahmen einer Initiative der Österreichischen Nationalbibliothek zur Langzeitarchivierung von Tonträgern werden sie digitalisiert und für die Forschung zugänglich gemacht.
Audiokassette aus dem Vorlass von Peter Henisch. Für sein Buch „Die kleine Figur meines Vaters“ (1975) zeichnete Henisch Gespräche mit seinem Vater Walter Henisch auf (vgl. auch Tonbeispiel unten). Darin geht es um dessen Vergangenheit als Kriegsberichterstatter und Wehrmachtsfotograf.
Peter Henisch: Gespräche mit seinem Vater Walter Henisch
Wie archiviert man Materialien, die digital entstehen?
Literarisches Arbeiten findet heute digital statt. Texte werden am Computer verfasst und überarbeitet, Bilder digital erstellt und Recherchematerialien auf Festplatten gespeichert oder in der Cloud abgelegt. Dokumente, die digital entstehen, werden als Born-Digital-Materialien bezeichnet. Bereits vor der Übernahme stehen Archive vor der Herausforderung, diese Materialien zu sichten, ihren Umfang und Inhalt einzuschätzen. Nach der Übernahme braucht es eine geeignete Infrastruktur, um die Daten sicher auszulesen, zu erschließen und zu erforschen.
Disketten aus dem Vorlass von Margit Schreiner. Auf ihnen ist ihr Buch „Heißt lieben“ (2003) gespeichert.
Disketten aus dem Vorlass von Margit Schreiner. Auf ihnen ist ihr Buch „Heißt lieben“ (2003) gespeichert.
Ausschnitt aus „Heißt lieben“ auf dem Bildschirm. Nach dem Auslesen der Disketten ist der digital gespeicherte Text wieder lesbar und nutzbar.
Ausschnitt aus „Heißt lieben“ auf dem Bildschirm. Nach dem Auslesen der Disketten ist der digital gespeicherte Text wieder lesbar und nutzbar.
Wie werden E-Mails zu Archivgut?
E-Mails sind heute ein wichtiger Teil der schriftlichen Kommunikation von Autor*innen. Durch die zunehmende Übernahme hybrider Vor- und Nachlässe, die analoge und digitale Materialien enthalten, gelangen sie immer häufiger ins Literaturarchiv. Ihre Sichtung, Ordnung, Erschließung und langfristige Bewahrung stellen Archive vor neue technische und rechtliche Herausforderungen. Im Rahmen eines Pilotprojekts führt das Literaturarchiv die archivischen Arbeitsschritte anhand der E-Mails von Ruth Klüger durch. Ihre Korrespondenz mit Verlagen, Kolleg*innen an der Universität und Studierenden gibt Einblicke in unterschiedliche Bereiche ihres literarischen und wissenschaftlichen Arbeitens.
Ruth Klüger bei einem Vortrag vor Studierenden. Auf der Tafel im Hintergrund ist ein Teil ihrer E-Mail-Adresse zu erkennen.
Das Webarchiv – die neue Form des Archivs?
Literatur entsteht und verbreitet sich heute auch im Internet. Autor*innen veröffentlichen Texte und Kommentare auf Websites, Blogs, Online-Plattformen oder in sozialen Medien. Diese Inhalte sind schnelllebig und können verändert, gelöscht oder durch technische Entwicklungen unzugänglich werden. Das Literaturarchiv sammelt mit der Kollektion „Österreichische Literatur“ im Webarchiv gezielt Online-Veröffentlichungen, -Beiträge und -Debatten. Es dokumentiert damit die literarische Öffentlichkeit im digitalen Raum. Die archivierten Inhalte können an ausgewählten Terminals in der Österreichischen Nationalbibliothek eingesehen werden.
Ausschnitt aus der Tagebuch-Reihe von Daniel Wisser auf seiner Website. Handschriftliche Textpassagen werden hier digital publiziert und verbinden analoge Schreibpraxis mit neuen Formen literarischer Veröffentlichung im Internet.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Ausschnitt aus der Tagebuch-Reihe von Daniel Wisser auf seiner Website. Handschriftliche Textpassagen werden hier digital publiziert und verbinden analoge Schreibpraxis mit neuen Formen literarischer Veröffentlichung im Internet.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Social-Media-Posting von Mareike Fallwickl vom Jänner 2025. Die Autorin reagiert darin auf die Nachricht, dass ihre Social-Media-Beiträge im Webarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek gesammelt werden. Das Posting wird damit selbst zum Archivgut und thematisiert zugleich seine eigene Archivierung.
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
Social-Media-Posting von Mareike Fallwickl vom Jänner 2025. Die Autorin reagiert darin auf die Nachricht, dass ihre Social-Media-Beiträge im Webarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek gesammelt werden. Das Posting wird damit selbst zum Archivgut und thematisiert zugleich seine eigene Archivierung.
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.