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Journalistin im Dienste Gottes

Hanny Brentano und die „Österreichische Frauenwelt“

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Die „Österreichische Frauenwelt“ gilt als besonders typisches Beispiel einer katholischen Frauenzeitschrift. Häuslichkeit und Mütterlichkeit werden darin als weibliche Aufgabenfelder propagiert, das Frauenwahlrecht abgelehnt. Gegründet wurde die „Frauenwelt“ 1911 als Vereinsorgan der Katholischen Reichsfrauenorganisation Österreichs, mit Hanny Brentano (1872–1940) als Redakteurin. Diese war nicht lange davor erst zum Katholizismus konvertiert und leitete das Blatt, bevor sie 1919 in den Orden der Benediktinerinnen eintrat.

Eine Hausfrau greift zur Feder

Eigentlich war Hanny Brentano zufrieden mit ihrem Leben als fürsorgliche Gattin und Hausfrau anno 1900 in Wien. Sie hatte genug damit zu tun, täglich ein warmes Mittagessen auf den Tisch zu bringen und den Haushalt in Ordnung zu halten. 

Sicher vermisste sie ihre Heimat, die Ostsee-Hafenstadt Libau (heute Liepāja in Lettland), und besonders ihr Zimmer mit dem großen Schreibtisch. Dort hatte sie, die humanistisch gebildete junge Lehrerin aus einer deutsch-baltischen Familie, abends literarische Texte geschrieben. Manche von ihnen waren sogar in einer örtlichen Zeitung gedruckt worden, freilich nicht unter ihrem eigenen Namen – zu der Zeit noch Johanna Legai –, sondern unter einem Pseudonym: „Hans Brennessel“. 

Blick auf den Hafen der kurländischen Stadt Libau (Liepāja) an der Ostsee. 

Nach ihrer Heirat am 12. Februar 1900 musste sie die Feder beiseite legen – ihr Mann, der 26 Jahre ältere verwitwete Bahnbeamte Matthäus Max Brentano, wollte nicht, dass sie sich weiter dem Schreiben widmete.

Doch dann änderte sich alles mit einem Schlag. Von schweren Angstzuständen geplagt, nahm Max sich 1905 das Leben. Nach nur fünf Jahren Ehe hatte Hanny Brentano keinen Anspruch auf Witwenpension und musste daher dringend Geld verdienen. Sie vermietete einige Zimmer der großen Wohnung und versuchte es mit Büroarbeit, doch die „einschläfernde Eintönigkeit und Geistlosigkeit“ hielt sie nicht lange aus. 

Die Schöpfung der „Frauenwelt“

Schnürer war es auch, der ihr den Zugang zu katholischen Kreisen eröffnete. Die bisher eher unreligiöse Protestantin konvertierte 1908, wurde glühende Katholikin und engagierte sich in der katholischen Frauenbewegung: Sie übernahm zunächst das Generalsekretariat der Katholischen Frauenorganisation Niederösterreichs, 1912 auch jenes der Katholischen Reichsfrauenorganisation, die als Dachverband alle Landesorganisationen vereinte.

Beim Ersten Allgemeinen Österreichischen Katholischen Frauentag 1910 wurde die Gründung einer eigenen Frauenzeitschrift diskutiert. Redakteurin sollte die mittlerweile als Anpackerin bekannte Hanny Brentano werden.

Mit ihrem Engagement trug Hanny Brentano entscheidend dazu bei, dass die ersehnte Zeitschrift Wirklichkeit wurde.

„Nach eifriger Propaganda war ein kleiner Grundstock von Abonnentinnen gewonnen, und im Januar 1911 konnte das erste Heft der ‚Österreichischen Frauenwelt‘ erscheinen. Damit war mir ein sehr geliebtes Sorgenkind geboren.“

Hanny Brentano: Wie Gott mich rief (1925)

Violettes Kleinformat

Die „Österreichische Frauenwelt“, eine „Monatsschrift für die gebildete Frau“, erschien etwa im Format A5, was der Größe eines Taschenbuches entspricht. Die violette Farbe des Umschlages ist zwar schon etwas verblasst, doch immer noch erkennbar. 

Dank der Vermittlung von Monsignore Sigismund Waitz konnte man den Brixener Verlag Tyrolia gewinnen. Waitz erklärte sich auch bereit, als verantwortlicher Redakteur zu zeichnen: Das damals geltende österreichische Preßgesetz verlangte, dass die im Impressum genannte Person am Druckort, also Brixen, ansässig war – eine Bedingung, die Waitz erfüllte. Tatsächlich aber leitete Hanny Brentano in Wien die Redaktion – wie schon auf Seite 1 deutlich zu lesen war: „Redigiert von Hanny Brentano“.

Das erste Heft der „Österreichischen Frauenwelt“, erschienen am 15. Jänner 1911. Auf ANNO online in der Zeitschrift blättern.

Am Schreibtisch der Ein-Frau-Redaktion

Ehefrau und Mutter – das wäre Hanny Brentano ja zu gerne gewesen. Doch ihr „heißes Sehnen nach einem Kindchen“ war unerfüllt geblieben, wie sie in ihren Memoiren schrieb. Als Witwe hatte sie zwar einen Stiefsohn, Anton Brentano, doch der war kaum zehn Jahre jünger als sie und längst erwachsen. Sie war völlig unabhängig, verdiente ihr eigenes Geld und übersiedelte in den Bezirk Wien-Alsergrund, wo sie sich eine kleinere Wohnung ganz nach ihren Bedürfnissen einrichtete.

Im „Stroheck“

„[V]iele, viele Bücher an den Wänden, (...) weiche Teppiche und Polster in warmen Farbentönen (...). Kam dazu das breite Hereinfluten der Vormittagssonne durch die weißen Spitzenvorhänge, oder das wohltuende, (…) rot, grün oder goldgelb abgetönte Licht der elektrischen Lampen und das leise Summen des Samowárs zwischen Zigarettenschachtel und Konfektdose auf dem kleinen Teetischerl neben der fellbedeckten Ottomane (…).“

Hanny Brentano: Wie Gott mich rief (1925)

Das „Glanzstück und Zentrum des ganzen Raumes“ war jedoch, wie Brentano in ihrer Autobiografie schwärmte, „der bequeme, nach eigenen Angaben zurechtgetischlerte Schreibtisch, der sich vom Fenster aus in das Zimmer hereinlegte, breit und stattlich und alles beherrschend (...).“ Auf einem eigenen Seitenanbau stand ein modernes „Klapperding“, sprich: eine Schreibmaschine. Auch „Bärli“, ein braunes Plüschtier, hatte seinen Platz auf der Tischplatte. Dort, an diesem Schreibtisch, befand sich die eigentliche Redaktion der „Frauenwelt“. 

Stimmen in der „Österreichischen Frauenwelt“

Die Persönlichkeiten, denen Hanny Brentano mit der „Österreichischen Frauenwelt“ ein Forum bot, kamen aus dem konservativen katholisch-christlichsozialen Umfeld. Sie ließ Adelige und Geistliche ebenso zu Wort kommen wie Aktivist*innen der katholischen Frauenbewegung – und gab damit den Positionen ihres Lagers eine Plattform. 

  • In ihrem Beitrag „Wissenschaft und Ehe“ argumentierte Alma Seitz (1887–1968) in Heft 5 des Jahres 1911, dass eine wissenschaftliche Betätigung von Frauen auch der Gesellschaft nütze. Zu diesem Zeitpunkt studierte die Autorin gerade Geschichte und sollte im Jahr darauf promoviert werden. Später engagierte sie sich in der Katholischen Frauenorganisation und profilierte sich – nach ihrer Heirat 1920 unter dem Namen Alma Motzko – als eine der ersten gewählten Politikerinnen in Wien: Für die Christlichsoziale Partei gehörte sie von 1919 bis 1934 dem Gemeinderat und Landtag und setzte dabei einen besonderen Fokus auf soziale und frauenpolitische Fragen.

    Artikel „Wissenschaft und Ehe“ online lesen auf ALO

  • ÖNB-Signatur: H 9889 POR MAG
Schwarz-weiß-Fotografie von Alma Motzko: mit hochgestecktem Haar am Tisch sitzend, in der rechten Hand einen Stift; die Hände übereinandergelegt, vor ihr aufgeschlagene Hefte und Blätter; im Hintergrund zwei Türen, Blick direkt in die Kamera.
  • ÖNB-Signatur: H 9889 POR MAG

Alma Motzko

„[D]ie studierende Frau muß gar oft die Kritik hören, daß sie ihr Leben durch einen glatten Irrtum in falsche Bahnen gezwungen habe.“

  • Ignaz Seipel (1876–1932), der spätere Bundeskanzler und Parteiobmann der Christlichsozialen, publizierte mehrfach in der „Frauenwelt“. In seinem Artikel „Die Frauen und der kommende Friede“ (März 1916) sprach Seipel den Frauen zwar Einfluss auf das Ende des Krieges zu – jedoch allein durch ihr vermeintlich „mitfühlendes Wesen“, nicht durch Mitsprache am Verhandlungstisch oder an der Wahlurne.

    Artikel „Die Frauen und der kommende Friede“ online lesen auf ANNO

  • ÖNB-Signatur: 211242 C POR MAG
Schwarz-weiß-Fotografie von Ignaz Seipel: direkt gegenüber am Schreibtisch sitzend, mit Brille und Glatze, in der rechten Hand einen Stift über Blättern; er blickt direkt in die Kamera
  • ÖNB-Signatur: 211242 C POR MAG

Ignaz Seipel

„Die österreichische Frau, wie ich sie mir gern vorstelle, denkt mit Teilnahme im Herzen an jeden gefallenen jungen Engländer, weil auch er der Sohn einer Mutter ist.“

  • Fürstin Fanny bzw. Franziska Starhemberg (1875–1943), spätere Abgeordnete der Christlichsozialen Partei im Bundesrat und Präsidentin der Katholischen Reichsfrauenorganisation, schildert in ihrem zweiteiligen Artikel „Der ländliche Haushalt“ (1918) das Leben der – vor allem oberösterreichischen – Landbevölkerung. Dies verband sie mit einer deutlichen Verteidigung traditioneller hierarchischer Strukturen.

    Artikel „Der ländliche Haushalt“ online lesen auf ANNO: Teil 1 und Teil 2

  • ÖNB-Signatur: KOS 8.053 - D POR MAG
Schwarz-weiß-Fotografie von Fanny Starhemberg: seitlich aufgenommen, mit hochgestecktem Haar unter auffälligem Hut mit Federn, über den Schultern ein locker fallender Pelz; sie dreht den Kopf leicht zur Kamera und blickt in deren Richtung.
  • ÖNB-Signatur: KOS 8.053 - D POR MAG

Fanny Starhemberg

„Vor allem wäre darauf hinzuarbeiten, daß das schöne patriarchalische Verhältnis zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer wieder aufgerichtet werde.“

  • Der Theologe Johannes Ude (1874–1965), bekannt für seine unkonventionellen Positionen, sprach sich auch in der „Frauenwelt“ grundsätzlich für das Frauenstimmrecht aus – eine Ausnahme im katholischen Milieu. In seinem Kommentar „An die Frauenstimmrechtlerinnen“ (1913) argumentierte er jedoch, zunächst müsse ein anderes Problem angegangen werden: die wachsende Verbreitung des Alkoholismus, der Männer, zunehmend aber auch Frauen betreffe.

    Kommentar „An die Frauenstimmrechtlerinnen“ online lesen auf ANNO

  • ÖNB-Signatur: PORT_00017312_01 POR MAG
Schwarz-weiß-Radierung von Johannes Ude, signiert ‚D. H. Volz, 1950‘: mit grauem, nach hinten gekämmtem Haar, er schaut frontal aus dem Bild heraus.
  • ÖNB-Signatur: PORT_00017312_01 POR MAG

Johannes Ude

„Was hilft es, für eine dem Alkohol mehr und mehr sich ausliefernde Frauenwelt das Stimmrecht erkämpfen zu wollen?“

  • Die im katholischen Vereinsleben aktive Lola Gräfin Marschall (1860–1945) nahm in der Juni-Ausgabe der „Frauenwelt“ 1913 die sozialdemokratische Frauenbewegung in Deutschland unter die Lupe, um sich von deren Erfolgen etwas für das eigene Lager abzuschauen. Dem „konsequenten, zielbewußten Vorgehen der Sozialdemokratinnen“ musste die Autorin dabei zähneknirschend Respekt zollen.

    Artikel „Die sozialdemokratische Frauenbewegung in Deutschland“ online lesen auf ANNO

  • ÖNB-Signatur: KOS 4.691 – D POR MAG
Schwarz-weiß-Porträtfotografie von Lola Marschall: mit hochgestecktem Haar unter einem auffälligen Hut mit Blumenschmuck vorne und Federn hinten; sie trägt ein weißes Oberteil und Perlenohrringe, ihr Blick geht leicht versonnen rechts an der Kamera vorbei.
  • ÖNB-Signatur: KOS 4.691 – D POR MAG

Lola Marschall

„Für die Frauen, die im christlichen Lager sozial arbeiten, kann es nur von größtem Nutzen sein, wenn ihnen einmal die Taktik der Gegner in scharfer Beleuchtung vorgeführt wird (...).“

  • Die christlichsoziale Politikerin Hildegard Burjan (1883–1933) zog 1919 als eine der ersten acht Frauen ins österreichische Parlament ein und gründete im gleichen Jahr die Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis. Bekannt als „Mutter der Heimarbeiterinnen“ setzte sie sich für jene Frauen und Kinder ein, die unter unwürdigen Bedingungen zu Hause schuften mussten. In ihrem „Frauenwelt“-Artikel von 1913 kritisierte sie die sozialen Missstände und verurteilte die gesundheitlichen und sozialen Folgen dieser Praxis – interpretierte sie jedoch zugleich im Rahmen katholischer Moralvorstellungen: „Religion, Sitte und Moral schwinden, kränkliche, ungeschulte Kinder belasten die Gesellschaft, verhindern den kulturellen Fortschritt.“

    Artikel „Heimarbeitreform und soziale Frauenarbeit“ online lesen auf ANNO

  • ÖNB-Signatur: Pf 31972:B (1) POR MAG
Schwarz-weiß-Fotografie von Hildegard Burjan im Profil: mit welligem, hinten zusammengestecktem Haar und einem transparenten Schal um den Hals; sie blickt nach links.
  • ÖNB-Signatur: Pf 31972:B (1) POR MAG

Hildegard Burjan

„[D]ie Heimarbeiterin kann in keiner Weise ihre häuslichen und mütterlichen Pflichten erfüllen und bitter rächt sich hier die Übertretung des göttlichen und natürlichen Gesetzes.“ 

Rückzug hinter Klostermauern

„Es allen recht zu machen, ist für jedermann schwer, am schwersten aber für eine Schriftleitung und nun gar für die eines neuartigen Frauenblattes, das sowohl als Vereinsorgan gelten wie auch weite Kreise der Frauenwelt interessieren sollte. Kritisieren, raten, Weisungen geben und Vorschläge machen wollen viele, Berufene und auch Unberufene – helfen, brauchbare Mitarbeit leisten, Abonnentinnen werben und das Unternehmen finanzieren wollten und konnten nur wenige, sehr wenige!“ 

Hanny Brentano: Wie Gott mich rief (1925)

Ein erster Abschied

Vier Jahre lang ging die Sache gut. Doch mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 ließ sich der Betrieb nicht mehr lange aufrechterhalten. Der Verlag Tyrolia und die Redaktion mussten den Leser*innen schweren Herzens mitteilen, dass die „Frauenwelt“ vorläufig ihr Erscheinen einstellte. Säumige Abonnent*innen bat man, tunlichst die offenen Rechnungen zu begleichen. Und man blieb hoffnungsvoll: „Nach Wiederkehr normaler Zeiten soll unser Blatt, so Gott will, in neuer Ausgestaltung wiedererstehen.“

Rückblickend erinnerte sich Brentano: 

„Und nun erst, da die violetten Heftchen ausblieben, zeigte es sich, daß man sie lieber gehabt, als man selbst geglaubt hätte (...).“

Hanny Brentano: Wie Gott mich rief (1925)

Ende 1914 kündigt die „Frauenwelt“ ihre kriegsbedingte Einstellung an – online lesen auf ANNO.

Phönix aus der Asche

Tatsächlich gelang es schon 1916, mitten im Krieg, das Blatt wiederzubeleben. Gedruckt wurde nun in Wien, im Verlag der „Reichspost“, einer der Christlichsozialen Partei nahestehenden Tageszeitung mit Sitz in der Josefstädter Strozzigasse.

Sogar eine neue Rubrik für junge Leserinnen wurde geschaffen, die „Österreichische Mädchenwelt“. Zu ihrer Einführung hieß es: 

„Noch loht der Brand ringsum, aber sie ist, dem Phönix gleich, aus der Asche wiedererstanden und rüstet sich zu neuem Fluge durch alle Gaue der Monarchie. Ihre Schwingen sind erstarkt und nun fliegt sie nicht nur zu den Frauen Österreichs: sie will auch bei den jungen Mädchen Einkehr halten, die Sinn haben für die Botschaft, welche sie ihnen bringt.“ 

Zur Einführung, in: Österreichische Frauenwelt 5. Jg. (1905), Nr. 1 (online lesen auf ANNO)

Titelkopf der neuen Rubrik „Österreichische Mädchenwelt“, eingeführt in Heft 1 der ab 1916 wieder erscheinenden „Frauenwelt“.

  • In: Österreichische Frauenwelt, 5. Jg. (1916), H. 1
Titelkopf der Rubrik „Österreichische Mädchenwelt“: weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund, links eine Grafik eines Mädchens mit Mittelscheitel, Stirnband und Blumen im Haar.
  • In: Österreichische Frauenwelt, 5. Jg. (1916), H. 1

Titelkopf der neuen Rubrik „Österreichische Mädchenwelt“, eingeführt in Heft 1 der ab 1916 wieder erscheinenden „Frauenwelt“.

Hanny Brentano selbst empfand in ihrer Arbeit – nicht nur als Redakteurin der „Frauenwelt“, sondern auch in der Katholischen Reichsfrauenorganisation – immer weniger Erfüllung. Nach einer schweren Operation und dem Tod eines ihr nahestehenden Geistlichen beschloss sie, ihr weltliches Leben hinter sich zu lassen.  

Durchgestrichener Briefkopf der „Frauenwelt“-Schriftleiterin.

„Erscheint die Frauenwelt weiter? Wo? Ich hoffe, ihr schickt sie dann nach Nonnberg.“

Hanny Brentano in einem Brief an Franz Schnürer, 29. Jänner 1919

Ob die „Frauenwelt“ tatsächlich noch ins Kloster der Benediktinerinnen geschickt wurde, ist nicht bekannt. Unter der neuen Redakteurin, der Althistorikerin und Publizistin Assunta Nagl (1871–1944), erschien die „Frauenwelt“ nur noch rund ein Jahr lang. Schließlich, so Hanny Brentano in ihrer Autobiografie, „entschlief die ‚Österreichische Frauenwelt‘ sang- und klanglos als Opfer der in der Nachkriegszeit entstandenen Schwierigkeiten im Verlags- und Druckwesen.“

Schwester an der Schreibmaschine

Und Hanny Brentano – oder besser gesagt Schwester Maria Rafaela, wie sie jetzt hieß? Sie dachte gar nicht daran, mit dem Schreiben aufzuhören. Wann immer sie zwischen Morgenandacht, Offizien und Hausarbeit Zeit fand, setzte sie sich an den Schreibtisch. Der war zwar nicht zu vergleichen mit ihrem Wiener Prachtexemplar, doch er erfüllte seinen Zweck.

Da sie aufgrund eines Nervenleidens nicht mehr mit der Hand schreiben konnte, wurde ihr erlaubt, eine alte Schreibmaschine zu verwenden. Brauchte man diese jedoch anderweitig im Kloster, hatte sie ihre Arbeit zu unterbrechen. Also musste eine eigene Schreibmaschine her. Doch Wirtschaftskrise und Inflation machten eine solche Anschaffung unerschwinglich.

Hanny Brentano in Nonnentracht. 

„Der liebe Gott will halt nicht mehr, daß ich mit der Hand schreibe!“

Hanny Brentano in einem Brief an Franz Schnürer, 17. September 1921

Göttliches Werkzeug

Schwester Rafaela hatte Kontakte zu der kanadischen Benediktiner-Zeitung „St. Peters Bote“, für den sie 1921 einen Artikel in Briefform verfasste – samt einer forschen Bitte: „Liebe Freunde, verhelft mir doch zu einer Schreibmaschine!“

Dies sei „durchaus kein Luxus, sondern ein notwendiges Werkzeug“, schließlich stehe ihre Schriftstellerei ja ganz im Dienste des Ordens und erfolge nur „des Geldverdienens wegen“. Aber: „Infolge eines Gichtleidens versagt meine rechte Hand den Dienst! (…) Das Tippen aber greift mich gar nicht an, wie ich durch Versuche auf einem alten (…) Klapperkasten festgestellt habe. Somit wäre eine Schreibmaschine für mich durchaus kein Luxus, sondern ein notwendiges Werkzeug“. 

Blick in eine Box aus dem Nachlass Franz Schnürers. Ganz oben: Erste Manuskriptseite eines Artikels von Hanny Brentano für den „St. Peters Boten“.

Eine Schreibmaschine fand schließlich ihren Weg in Schwester Rafaelas karge Klosterzelle. Dort tippte sie ihre Autobiografie „Wie Gott mich rief“, die 1925 erschien, und auch Rezensionen, unter anderem für die konservative Tageszeitung „Reichspost“.

Bis zuletzt blieb Brentano, die viele Jahre die katholische Frauenpresse in Österreich geprägt hatte, eine Frau des Wortes – ihre letzten Schriften waren „gereimte Gebete“, entstanden kurz vor ihrem Tod am 23. Juni 1940.

Im Kontext: Katholische Frauenpresse

Bereits 1898 erschien in Wien die „Österreichische Frauen-Zeitung“ – herausgegeben von einem Mann: Franz Klier, dem Sekretär des Christlichen Wiener Frauen-Bundes. Mit der Gründung der „Katholischen Reichsfrauenorganisation“ im Jahr 1907 begann sich die katholische Frauenbewegung stärker zu organisieren, und ab 1911 erschien mit der „Österreichischen Frauenwelt“ ein eigenes Vereinsorgan. Diese Zeitschrift diente nicht nur der Information und religiöser Orientierung, sondern auch der Vernetzung katholischer Frauen. 

Die katholische Frauenpresse war stark von karitativen und belehrenden Beiträgen geprägt. Sie stellte Frauen vor allem als Mütter, Hausfrauen und moralische Vorbilder dar – eingebettet in ein traditionelles Geschlechterbild, das religiöse Pflichterfüllung und familiäre Verantwortung in den Mittelpunkt rückte. Mit Geistlichen und kirchlichen Funktionären prägten häufig Männer die inhaltliche Ausrichtung vieler Zeitschriften im Sinne kirchlicher Werte.

Aus der Vielfalt der katholischen Frauenpresse

… im Ariadne-Portal „Frauen in Bewegung 1848–1938“

→ Hanny Brentano
→ Hildegard Burjan
→ Lola Marschall
→ Alma Motzko
→ Assunta Nagl
→ Franziska Starhemberg
→ Melanie von Zichy-Metternich 

→ Katholische Reichsfrauenorganisation Österreichs 


Literatur

Brentano, Hanny: Wie Gott mich rief. Mein Weg aus dem Protestantismus in die Schule des St. Benedikts. 4. Auflage. Freiburg im Breisgau: Herder, 1925. Online lesen via ÖNB Digital

Domanig, Maria: „Die literarische Tätigkeit der Frau“, in: Bericht über den I. allgemeinen österreichischen katholischen Frauentag in Wien vom 29. März bis 2. April 1910, herausgegeben von der Katholischen Reichsfrauenorganisation Österreichs. Wien: Herder, 1910, S. 102–110. Online lesen auf ALO

Knieling, Nina: „Die Fideikommissbibliothek 1914–1919“, in: Thomas Huber-Frischeis, Nina Knieling, Rainer Valenta und Hans Petschar: Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918. Metamorphosen einer Sammlung. Wien, Köln, Weimar: Böhlau, 2021, S. 929–1029.

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Schreiben ohne Korsett