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- Von der Reformation zur Revolution
Flugblätter und Flugschriften – Die ersten „Social Media“ der Geschichte
Mit der Erfindung des Buchdrucks begann eine Epoche, die die Kommunikationsgeschichte grundlegend veränderte. Aus der handschriftlichen Exklusivität erwuchsen neue Medien, die Geschwindigkeit, Reichweite und Wirkung neu definierten, darunter auch die Flugschrift. Der Übergang von Pergament zu Papier und die mechanische Vervielfältigung schufen erstmals die Voraussetzungen für eine massenhafte Verbreitung von Informationen – prägnant, aktuell und für breite Bevölkerungsschichten zugänglich.
Jedoch zeichneten sich Flugschriften nicht nur durch ihre gedruckte Form aus. Sie verbanden Sprache und Bild zu einer wirkungsvollen Einheit, die auch jene erreichte, denen das Lesen fremd war. Illustrationen, oft dominant platziert, verstärkten die Botschaft und ermöglichten eine unmittelbare Rezeption. So avancierten diese Druckwerke zu einem Schlüsselmedium der Frühen Neuzeit: Sie begleiteten religiöse Konflikte, politische Umbrüche und gesellschaftliche Debatten ebenso wie sie die Sensationslust mit Berichten über Wunder, Naturkatastrophen oder „Monstergeburten“ bedienten.
Ihr Spektrum reichte von Andachtsbildern über Städteansichten bis hin zu polemischen Kommentaren, stets mit dem Ziel, Aufmerksamkeit zu erregen und Meinungen zu formen. Als erstes Massenkommunikationsmittel waren Flugschriften schnell, kostengünstig und kaum kontrollierbar. Sie informierten, beeinflussten und unterhielten zugleich – und legten damit den Grundstein für die moderne Medienlandschaft.
In unserer Bestandspräsentation erfahren Sie, wie aus „fliegenden Blättern“ ein Werkzeug der Macht und Meinungsbildung wurde – und warum ihre Gestaltung bis heute fasziniert.
„Erinnerungen an die denkwürdigen Tage von 13ten bis 18ten März 1848“, Lithographien mit den wichtigsten Ereignissen der Wiener Märzrevolution, 1848. Link zum Digitalisat im ÖNB-Katalog.
- F 015270-C ALT FLUG

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„Erinnerungen an die denkwürdigen Tage von 13ten bis 18ten März 1848“, Lithographien mit den wichtigsten Ereignissen der Wiener Märzrevolution, 1848. Link zum Digitalisat im ÖNB-Katalog.
Die Österreichische Nationalbibliothek bewahrt heute rund 22.000 historische Flugblätter, Flugschriften und Amtsdruckschriften aus dem 16. bis 19. Jahrhundert auf. Der Schwerpunkt liegt auf den Ländern der Habsburgermonarchie, ergänzt durch bedeutende Bestände aus Deutschland und anderen europäischen Regionen.
Den Grundstein legte 1912 die Hofbibliothek, als sie eine eigene Flugblätter-Abteilung mit rund 10.000 Drucken schuf – darunter die spektakulären Materialien zur Revolution von 1848, die bis heute den größten Teil der Sammlung ausmachen. Der Bestand zu 1848 ist bereits vollständig digitalisiert und online zugänglich, außerdem wurde er 2016 als Teil des österreichischen Dokumentenerbes in das Programm „Memory of Austria“ der UNESCO aufgenommen.
Die Sammlung erzählt nicht nur von politischen Umbrüchen, sondern auch von der Entwicklung der Medienkultur. Wer in sie eintaucht, entdeckt ein Panorama aus Revolutionsgeist, Zensur und der Macht des gedruckten Wortes. In den einzelnen Kapiteln entdecken Sie faszinierende Facetten der Flugblattgeschichte – von spektakulären Ereignissen über politische Botschaften bis hin zur Entwicklung einer einzigartigen Sammlung.
„Viele Stimmen“: Erschließung, Katalogisierung, Digitalisierung
Die Online-Präsentation entstand im Rahmen des Projekts „Viele Stimmen. Archive der Demokratisierung und des öffentlichen Wissens“, das die historische Flugschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek erschließt und sichtbar macht. Ziel ist es, 20.000 Objekte zu digitalisieren und mit normierten Metadaten zu versehen.
Die Sammlung ist ein einzigartiges Zeugnis der Mediengeschichte: Sie umfasst politische Aufrufe, religiöse Schriften, Nachrichten und Sensationsberichte, die zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert erzeugt wurden. Heute gehören diese Drucke zu den gefragtesten historischen Quellen der ÖNB. Das Projekt sichert ihre langfristige Bewahrung und eröffnet neue Forschungsmöglichkeiten: Die Digitalisate werden über den ÖNB-Katalog, den Bibliothekenverbund und internationale Plattformen bereitgestellt, ergänzt durch Volltextsuche und offene Schnittstellen für die Digital Humanities. So wird eine Quellengattung, die einst die öffentliche Meinung prägte, für die Zukunft zugänglich gemacht.
Diese Online-Bestandspräsentation wurde von Sabrina Raphaela Bübl, MA MA BA unter tatkräftiger Unterstützung des Projektteams der Abteilung Altes Buch (Sammlung von Handschriften und alten Drucken) erstellt.



